Portfolio – Vorwort
Einige Anmerkungen zu meiner Arbeit
Gegenständliche Darstellung
In den 1960ger Jahren gab es allgemein erhebliche Ressentiments gegenüber einer gegenständlichen Malerei, gegen glatten Farbauftrag, Räumlichkeit, Inhalt und Aussage.
Aber gerade diese Elemente erschienen mir unverzichtbar: Der Gegenstand ist Zeichen meiner Verbundenheit mit der Welt, er spricht von im weitesten Sinn vergleichbaren Erfahrungen von Künstler und Betrachter. Mit dem Gegenstand bekommen Abweichungen vom Gewohnten oder Erwarteten eine Bedeutung und die bildnerischen Mittel ihre Notwendigkeit.
Da alle weiterführenden Gedanken in und aus dem banalen Alltag entstehen, beginnen auch meine Motive vordergründig alltäglich und ermöglichen dem eiligen Betrachter eine rasche Einordnung. Zum eigentlichen Verständnis der Bilder ist jedoch eine bis ins Detail gehende Betrachtung des Geschehens innerhalb des Bildformats entscheidend, was dann zu einer Revision des ersten allzunahe-liegenden Eindrucks führen kann und soll. (So hat man mich häufig irrtümlich für einen Sportsfan gehalten).
Unpersönlicher Farbauftrag mit dem Pinsel, nicht wie oft vermutet mit der Spraydose, Präzision und greif bar wirkende Form behaupten Objektivität und Faktizität von Motiv und Aussage. Glätte meint nicht Schönheit sondern zeittypische Erscheinung. Ich kritisiere nicht, ich unterhalte nicht, ich „stelle fest“.
Das bloße „Bildermalen“ war nie meine Absicht, ich wollte Bilder, die vom „Inhalt“ bestimmt sind, gewissermaßen „leibhaftige Gedanken“. Dabei geht es nicht darum, Kommentare zu gängigen Themen abzugeben. Mein eigentliches Ziel war von Beginn an, mein Welt- bzw. Menschenbild in einigen wenigen Bildern definitiv zu formulieren.
Das führte formal zu „aufgeblasenen“ Figuren und Gruppen als hauchdünne Farbschicht vor meist leerer Fläche, ohne Hintergrund und ohne Boden.
(„Mann mit Blume“, „Strand-Leben“, etwas abgewandelt „Vorhang“) Immer mit im Spiel ist meine Vorstellung von einem umfassenden, teils lächerlichen, teils beängstigenden, teils wunderbaren Un-Sinn.
Darstellung des Gegenstands
Der nächste Schritt – angeregt durch gezeichnete Studien – führt von der „gegenständlichen Darstellung“ zur „Darstellung des Gegenstands“. Vom großen Ganzen zum Einzelnen, einfach und grundsätzlich. (Die Fotografie kann gegenwärtig nicht mehr für Wirklichkeit einstehen und spielt für mich als Vorlage oder Hilfsmittel daher keine Rolle mehr.) Ich ziehe mich weitgehend aus dem Bild zurück und überlasse den Platz dem Gegenstand, wobei untergründig Elemente der bisherigen Arbeit in modifizierter Form weiterwirken. Ich greife kaum komponierend ein und betrachte das Leinwandformat lediglich als Unterlage für das Farbmaterial. Dabei kann die Gegenstandsdarstellung über das Format hinauswachsen als Beweis für ihre Eigenständigkeit gegenüber dem „Bild“. Sogenannte „Forderungen des Bildes“ an die Gestaltung gelten nicht, der Gegenstand bestimmt.
Da-Sein der Dinge
Vor leerem Hintergrund liegt unter jedem Motiv ein dicker schwarzer Grund, (Acryl, überwiegend relief- artig ausgearbeitet, was in den Reproduktionen nicht sichtbar wird), darauf wird der Gegenstand in Weiß (Licht) erkennbar, und darauf wiederum liegt als dünnere Ölfarblasur die individuelle Färbung.
Diese Technik betont das Da-Sein der Dinge und erlaubt eine differenzierende Reaktion auf die verschiedenen Erscheinungen.
Ich sehe die Dinge mit Zuneigung, ich empfinde die Stille, die „Monumentalität“ auch „unbedeutender“ Dinge, ihre Einzigartigkeit im Kontrast zu der drohenden Einförmigkeit, ihre Wirklichkeit in einer Zeit zunehmender Künstelei und Virtualisierung, ihre selbstgewisse Distanz zu dem unentrinnbaren Getöse, auch zu dem aufdringlichen Betrachter als beeindruckend.
Der auffällige Gleichklang von „Gegenstand“ und „Widerstand“ gefällt mir.
Dazu der französische Schriftsteller Francis Ponge*:
„Ich empfehle jedem eine Reise in die Dichte der Dinge, ihre Gegenwärtigkeit, ihre Evidenz, die ganz konkret sind… das was an ihnen greifbar, unbezweifelbar ist, ihre Existenz, deren ich viel sicherer bin als meiner eigenen…“
Diese existenzielle Entsprechung, die Leben und Sterben einschließt, erregt meine Anteilnahme.
Ich betrachte die Dinge als Schutz vor der Beliebigkeit, als letzten Halt vor der Leere, dem Nichts, als dem eigentlichen Hintergrund.
Mögen in dieser intendiert endlosen Sammlung auch hin und wieder Ähnlichkeiten erscheinen, Symbolisches sich andeuten, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden sein – es gibt keinen sinnvollen Zusammenhang der Motive.
Der oben erwähnte Un-Sinn ist wieder da.
*Francis Ponge „Einführung in den Kieselstein“ S.Fischer Verlag 1968





